
Vorsätze neu gedacht: Wenn Entschlossenheit weicher wird
Mit dem Jahreswechsel wollen auch wir uns verändern. Unsere schwelenden Wünsche brodeln vor sich hin und erreichen zu ihrer eigenen Zeit die Oberfläche – oft jedoch mit einem zeitlichen Marker, der uns den Sprung erleichtert. Übers Jahr hinweg beginnen wir unsere Diäten montags, nehmen uns vor, am Ersten des nächsten Monats mit dem Sport anzufangen, oder warten auf den großen Moment: direkt nach den Silvesterfeiern. Wir schmieden diese Pläne, setzen sie nach besten Kräften um und wiederholen den Prozess meist im darauffolgenden Januar.
Im Dezember haben wir Angler auf unserem Fishing Clash Discord gefragt, welche Neujahrsvorsätze sie für 2026 haben – mit der Chance, 2026 Perlen für die drei kreativsten und nachvollziehbarsten Antworten zu gewinnen. In diesem Artikel stellen wir die Gewinnereinträge vor (plus einen Sonderpreis), gehen aber auch der Frage nach, warum das Fassen von Neujahrsvorsätzen ein so verlässlich wiederkehrendes Ritual ist. Willkommen in 2026, Angler – werfen wir unsere Ruten in die Zukunft und schauen, was anbeißt und was sich vielleicht ändern könnte!
Rückschlag auf Wiederholung
Der Januar ist ein lukrativer Monat für Fitnessstudio-Betreiber, denn die Mitgliederzahlen schnellen nach oben wie sonst nie im Jahr. Dieser Zuwachs an Fitness-Enthusiasten, den Stammgäste durchaus bemerken (sie müssen ihre Trainingsroutinen plötzlich durch Menschenmassen hindurch koordinieren), hält nur wenige Wochen nach dem Countdown an. Es ist ein merkwürdiges und wiederkehrendes Phänomen, das sich nicht nur auf körperliche Aktivität bezieht, sondern auf die meisten Versprechen, die wir uns zu dieser Jahreszeit geben.
Einer der Gründe für unsere jährlich wiederkehrenden Niederlagen ist eine Alles-oder-Nichts-Mentalität, die in der Psychologie als “What-the-Hell-Effekt” bekannt ist. Unsere Rückschlag-Spirale folgt einem allzu vertrauten Muster: Wir lassen das Training einen Tag ausfallen, weil das Leben dazwischenkommt. Dann fühlen wir uns schuldig oder schämen uns, sagen aber: „Ach, was soll’s, dann kann ich diese Woche auch gleich schleifen lassen!” und planen, am Montag weiterzumachen. Kommt das Leben erneut dazwischen, schämen wir uns noch mehr, also versprechen wir uns zur Beruhigung, den Vorsatz zu einer besseren Zeit wieder aufzugreifen. Vielleicht nächsten Monat oder – ja, sogar nächstes Jahr. Dieser Rückfall-Effekt ist weit verbreitet und wurde ursprünglich von Diät-Forschern beobachtet. Er gilt fürs Naschen, Rauchen aufhören, Sport treiben oder alles, was auf schiere Willenskraft angewiesen ist – wie es unsere Vorsätze meist sind.
Ein Weg, diese Alles-oder-Nichts-Haltung zu entschärfen, ist die Erkenntnis, dass ein kleiner Ausrutscher kein komplettes Versagen ist und im großen Zusammenhang der angestrebten Veränderung definitiv nichts ist, wofür man sich schämen müsste. Schließlich beginnen wir meist etwas Großes und versuchen Dinge, die außerhalb unserer üblichen Domäne liegen – kleinere Rückschläge sind also nicht nur zu erwarten, sondern sogar willkommen, solange wir aus ihnen lernen und nicht einem Fatalismus oder Katastrophisieren verfallen. Niemand hat jemals über Nacht eine neue Fähigkeit erlernt oder sein Verhalten geändert! Was zählt, sind kleine Schritte am Anfang und das gelassene Wiederaufsteigen, wenn wir vom Pferd fallen. Wir sollten keine Perfektion erwarten, sondern Fortschritt. Und Fortschritt lässt sich immer in kleinen, stetigen Schritten erreichen.
Wenn wir eine visuelle Erinnerung an unseren Fortschritt brauchen, hilft es, an Kinder zu denken, die laufen lernen. Ihr Hinfallen bricht nie ihren Willen – da ist eine sanfte (und oft bezaubernde!) Unermüdlichkeit und Entschlossenheit in ihnen. Der Wunsch eines Kindes zu laufen ist weitaus größer als lächerliche Hindernisse wie mangelnde Koordination oder Schwerkraft. Ein Kind denkt sich nicht, dass Montag vielleicht der bessere Zeitpunkt wäre, es nach einem Sturz auf dem Teppich noch einmal zu versuchen! Diese weiche, freundliche Sturheit führt also weit. Ganz wörtlich!
Die Sprache unserer Entschlossenheit
Es ist bekannt, dass die Sprache, die wir sprechen, beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen, wie wir über sie denken und folglich, wie wir handeln. Doch Sprache und ihre transformative Kraft beginnen bei uns selbst. Und manchmal lohnt es sich, genauer auf die Worte zu schauen, die wir für unsere Veränderungswünsche verwenden.
Vorsatz – das Wort besteht aus vor und Satz. Ein Satz ist etwas, das wir sagen oder schreiben, etwas, das im Bereich der Sprache lebt. Unsere Vorsätze bleiben oft genau das: Sätze. Aussagen, Worte, die wir zu uns selbst sprechen, ohne sie in Taten zu übersetzen. Die Spannung ist buchstäblich ins Wort eingebaut: Wir setzen Sätze vor uns, doch sie bleiben auf Distanz – im Reich der Sprache statt der Handlung.
Diese sprachliche Distanz zwischen Satz und Tat könnte einer der Gründe sein, warum unsere Neujahrsvorsätze Jahr für Jahr wiederkehren. Vielleicht brauchen wir in Zeiten der Veränderung nicht härtere Vorsätze, keine kraftvolleren Aussagen, sondern eine Auflösung des vor – eine Verringerung der Distanz zwischen Sagen und Tun, zwischen Satz und Tat. Vielleicht müssen wir auch auflösen, was wir über uns selbst denken, wer wir wirklich sind.
Wenn wir wirklich etwas in unserem Leben ändern wollen, ist oft bereits ein unangenehmes Gefühl damit verbunden – vielleicht sogar ein Hauch von Scham. Hart zu uns selbst zu sein, bringt uns dabei nicht weiter. Es nutzt denselben Treibstoff der Scham, der uns ohnehin schon ausbrennt. Was uns eher helfen könnte, ist eine Erweichung unserer Selbstwahrnehmung. Nicht: „Ich muss das tun“, sondern: „Ich bin jemand, der das tut“. Die Verschiebung scheint subtil und unbedeutend, kann aber unerwartete Ergebnisse bringen, wenn wir die Tiefe dessen betrachten, was wir damit berühren.
Eine neue Gewohnheit einzuführen – oder eine alte abzulegen – geschieht nicht aus dem Nichts. Meist haben wir gute Gründe für eine solche Veränderung. Der Satz „Ich muss Sport machen“ bleibt eine Aussage im Vakuum, wenn er so stehen bleibt. „Ich bin jemand, der Sport macht“ berührt dagegen unsere Identität – besonders dann, wenn wir etwas tiefer graben und die zugrunde liegenden Motive betrachten. Der Neujahrsvorsatz, sich mehr zu bewegen, entsteht häufig aus dem Verständnis, dass Gesundheit das Leben verbessert – nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Menschen, die uns nahestehen.
Wenn der Wunsch nach Bewegung daraus entsteht, für Freunde und Familie in guter Verfassung zu sein, ist das eine Form von Liebe – Liebe, die sich in Handlung ausdrückt. Diese Handlung kann der Gang ins Fitnessstudio sein, ein langer Spaziergang oder das Ausprobieren von Pickleball. Der Satz „Ich bin jemand, der Sport macht“ ist in Wahrheit ein anderer, wenn wir tiefer eintauchen: „Ich bin jemand, dem seine Nahestehenden wichtig sind, also probiere ich eine neue körperliche Aktivität aus, um gesund zu bleiben und ein gutes Leben mit ihnen zu führen.“ Es ist ein Reframing, ja – aber eines, das näher an der Wahrheit liegt und unsere Identität berührt.
Ein letzter Gedanke zur Sprache: Niemand lässt sich gern sagen, was er tun soll. Das gilt auch für uns selbst, selbst wenn die Anweisung von innen kommt. Vielleicht lohnt es sich daher, unser „sollte“ – wie in „Ich sollte Sport machen“ – durch ein ehrliches „Ich will Sport machen“ zu ersetzen. Wenn wir unser Wollen unter dem „Sollte“ freilegen, werden wir nicht von unseren eigenen Vorsätzen herumkommandiert, sondern kommen dem näher, was uns wirklich wichtig ist – und handeln aus diesem Verlangen heraus.
Die Fishing Clash Vorsätze
Wir hoffen, diese Überlegungen helfen nicht nur unseren Lesern, sondern auch jedem Angler, der am monatlichen Wettbewerb auf unserem Fishing Clash Discord teilgenommen hat! Die drei ausgezeichneten Einträge unten haben unsere Herzen gestohlen, aber alle sind lobenswert – denn lebendig zu sein bedeutet sich zu verändern, und der Wunsch nach Veränderung ist der Wunsch zu wachsen, unabhängig davon, wie er ausgedrückt wird. Also, was haben unsere Angler für 2026 geplant? Die Auswahl der kreativsten und nachvollziehbarsten Vorsätze war keine leichte Aufgabe, aber wir lassen die Vorsätze für sich sprechen..
James McCloskey vom “Water Eagles” Klan schrieb:
- Im Moment bleiben. Sich nicht um gestern sorgen & mit morgen umgehen, wenn es soweit ist…
- Weniger rauchen & gesünder werden.
- Mehr reisen & das Leben in vollen Zügen genießen!
- Stay in the moment. Don’t worry about yesterday & deal with tomorrow when it gets here…
- Cut down on smoking & be healthier.
- Travel more & live life to the fullest!

Momfish hat folgende Vorsätze:
- Schluss mit „Zukunfts-Ich”-Käufen. Keine Planer mehr für einen Fantasy-Lebensstil, keine Sportausrüstung für imaginäre Workouts, keine Küchengeräte für Mahlzeiten, die ich nie kochen werde. 2026 geht es darum, das gegenwärtige Ich zu unterstützen.
- „Beschäftigt” nicht mehr mit „Wichtig” verwechseln. Wenn es mein Leben nicht voranbringt, mir kein Geld bringt oder mich nicht wirklich glücklich macht, bekommt es keinen unbegrenzten Zugang zu meiner Zeit.
- Die langweiligen Siege feiern. Den Kaffee heiß trinken. Die Wäsche am selben Tag falten. Die Kerze an einem zufälligen Dienstag anzünden. Das Leben passiert jetzt, nicht nachdem sich die Dinge beruhigt haben.
- Stop Buying “Future Me” Stuff. No more planners for a fantasy lifestyle, workout sets for imaginary workouts, or kitchen tools for meals I’ll never make. 2026 is about supporting current me.
- Quit Confusing “Busy” with “Important”. If it doesn’t move my life forward, make me money, or genuinely make me happy, it doesn’t get unlimited access to my time.
- Celebrate the Boring wins. Drink the coffee hot. Fold the laundry the same day. Light the candle on a random Tuesday. Life is happening now, not after things calm down.

SamBam hat unsere Herzen mit diesen drei Vorsätzen gewonnen (den zweiten sollten wir in Fishing Clash einführen!):
- Ich werde mit meinem Kleinkind angeln gehen – wird wahrscheinlich chaotisch und nicht viel geangelt, aber Spaß wird es machen!
- Taco-Dienstag als rechtsverbindliche Haushaltsverordnung einführen.
- Mehr Bücher lesen.
- I’m going to take my toddler fishing, probably will be chaotic and not a lot of fishing but it will be fun!
- Institute Taco Tuesday as a legally binding household ordinance.
- Read more books.

Und schließlich haben wir einen Ehrenpreis für Kora (Zsanett Nagy vom “Play after Life” Klan)! Wir schließen mit ihrem wundervollen Eintrag, übersetzt aus dem Ungarischen, und heißen alle im Jahr 2026 willkommen – lasst es uns zu einem Jahr machen, an das man sich erinnert!
In diesem Jahr wird die Neugier mein Kompass sein. Jeden Monat werde ich etwas bewundern, das ich zuvor nicht bemerkt habe. Ich werde lernen, halb fertige Sachen zu lieben und jeden kleinen Schritt nach vorne zu feiern. Außerdem werde ich mir selbst erlauben, Fehler zu machen. Ich werde mindestens eine Entscheidung treffen, die mir sowohl ein bisschen Angst macht, mich aber auch sehr lebendig fühlen lässt. Ich werde nach neuen Plätzen Ausschau halten – nicht unbedingt großen. Nur ein paar Plätze, an denen ein anderes Licht auf mich scheint. Ich erwarte nicht, dass ich bis Ende des Jahres perfekt werde, sondern dass ich mutiger, freier und froher werde. In diesem Jahr werde ich nicht nur die Welt entdecken, sondern auch meine eigenen Grenzen. Jeden Monat werde ich etwas probieren, durch das ich mich in einem neuen Licht sehen werde. Wenn ich feststecke, ändere ich die Richtung – ich gebe nicht auf, drehe nur den Kompass. Bis Ende des Jahres werde ich mehr Neugier als Zweifel in mir haben. In diesem Jahr werde ich Tage und keine Erfolge sammeln. Momente, auf die ich stolz sein kann – egal wie klein sie sind. Wenn ich etwas Schönes sehe, werde ich innehalten, es wahrnehmen und diesen Moment mitnehmen. Bis Ende des Jahres werde ich einhundert Tage haben, die ich noch einmal erleben möchte.










